beA – Die BRAK legt den Rückwärtsgang ein

Das beA ist seit fünf Wochen offline. Der geballten öffentlichen Kritik an ihrer Informationspolitik und den Schwächen des Programms wollte die BRAK am gestrigen Freitag, den 26.01.2018, endlich entgegentreten. Gemeinsam mit der von ihr beauftragten Softwareschmiede ATOS sollte der Öffentlichkeit demonstriert werden, wie und wann „das Problem“ endlich gelöst wird. Diese Veranstaltung war der BRAK so wichtig, dass dafür ein eigener Name kreiiert wurde: „beAthon“. Die Veranstaltung wurde zum Flop, trotz – oder wegen – der hochtrabenden Wortschöpfung.

Erwartungsgemäß.
Die vorhandenen Probleme lassen sich nicht in einer nachmittäglichen Kaffeerunde mit geladenen Experten wegdiskutieren. Das hätte man wissen können. Werner Höfers Frühschoppen ist es (in sechzig Jahren) auch nicht gelungen, den Nahostkonflikt zu lösen. Reden allein genügt nicht.
Wer „beAthon“ sagt, meint Hackathon und muss entsprechend handeln: die Experten etwas machen lassen. Das war für den 26.01.2018 nicht geplant.
Eine Überraschung:
Die verantwortliche Softwareschmiede ATOS sagte ihre Teilnahme an der Veranstaltung kurzfristig ab und erklärte statt dessen, alle Probleme (an der Client Security) seien nun schon behoben. Zur Kritik am „HSM“ gab ATOS als Createur de malheur aber vorsichtshaber gar kein Statement mehr ab.
Keine Überraschung:
Entgegen den Behauptungen von ATOS ist auch die „frisch renovierte“ Client Security offenbar nicht sicher.
Entgegen den Behauptungen von ATOS ist allein die Installation der bisherigen Client Security ein Sicherheitsrisiko für den Anwender – auch wenn das beA offline ist. Markus Drenger hat es der BRAK am 26.01.2018 live demonstriert.

Die BRAK legt nun den Rückwärtsgang ein: in der Pressemitteilung (Nr. 4 vom 26.01.2018) werden alle Anwender aufgefordert, die „Client Security“ aus Sicherheitsgründen sofort zu deinstallieren.

Einen ausführlichen Bericht zum Inhalt der Veranstaltung – und das geplante weitere Vorgehen – gibt es von der BRAK bisher nicht.
Wieder werden Dritte für die beA-Anwender aktiv: GOLEM hat einen entsprechenden Bericht von Hanno Böck für Montag (29.01.2018) angekündigt.

P.S.:
Mindestens einem Rechtsanwaltskollegen ist es gelungen, in den Presseverteiler der Fa. ATOS aufgenommen zu werden. Rechtsanwalt Hoenig hat auf seinem Blog die aktuelle Pressemitteilung des französischen Elektroschrotthändlers zur beA-Betriebssicherheit im Volltext zur Verfügung gestellt: ATOS-PM vom 26.01.2018. Danke Carsten!

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